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Klangschale der Sinne

Die Schale steht auf einem kleinen Tisch und ist leer, doch nur auf den ersten Blick. In Wahrheit ist sie voller Klänge. Ein leichter Schlag mit einem Klöppel befreit den beruhigenden Gesang, der bis in das Innere dringt. Die Klangwellen reisen durch den Raum, erhellen die Sinne, beruhigen das Gemüt. Die Entspannung entfaltet sich, die Gedanken werden schwer. Die Glieder weit vom Körper gestreckt, alles ruht und lauscht den Gesängen, die scheinbar endlos sind. Jede Schale klingt in einer anderen Stimme, ein harmonischer Gesang. Der durch den Raum reist, bis tief zu unseren Sinnen, bis auch diese allesamt erreicht sind.

Melodische Feder, die in das Bewusstsein dringt, die Seele öffnet, vorsichtig immer weiter vordringt. In die entlegensten Orte tief in uns drinnen. Ruhe ausstrahlt, alles behutsam betritt. Völlige Ruhe kehrt dabei ein, wie eine Blume, die in der frühen Morgenstunde bei dem ersten Sonnenstrahl erwacht. Keine Barrieren werden gezückt, nicht geschickt in den Winkeln versteckt, es gibt auch keinen Grund die Kettenbrücke vor uns selbst hochzuziehen. Durch den Graben geschützt das Ereignis vom Turm aus anzusehen.

Viel mehr gilt es, die Mauern zu umgehen, als wären sie nicht da, den Sinnen ihren freien Lauf zu lassen. Eine Spielwiese zu schaffen, indem sich alles befreit, in einer völligen Entspanntheit und Gelassenheit. Wie ein Federstreich, der elegant im Winde geführt uns leicht berührt, eine Liebkosung der tiefsten Gedanken, das Selbst, das wir in uns tragen. Vereint mit den Klängen der Stimmen, die aus den Schalen klingen. Ein freier Augenblick, in dem die Zeit, die uns umgibt, keine Bedeutung mehr hat. Die Freiheit und Entspannung in uns blüht.

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Gedichte

Die Schlacht der Gefilde

Ein guter Job, eine schöne Stadt, alles klingt so perfekt und wunderbar. Doch dann kommt das blanke Erwachen, wo soll ich bleiben, wo übernachten. Die Stadt der Begierde ist so wunderschön, doch hat die Schönheit ihren Preis, es ist das Damoklesschwert, das über einen kreist. Die Zeit drängt und die Kompromisse werden größer, es ist die Klinge, die über einen schwebt und mit der Spitze bereits die Stirn anritzt. Der Markt ist scheinbar voll an neuen Gefilden, in denen man wohnen kann, aber scheinbar ist es ein Prädikat, wenn die Liquidität keine Rolle spielt. Die eigentlichen Stadtbewohner haben Glück, wenn sie schon lange in ihrem Gefilde sind.

Doch der Jäger, der nicht schon lange in diesem Revier ist, hat eine harte Treibjagd auf sich genommen. Steht in der Konkurrenz noch größer als im Job. Alles, wie in einem falschen Film, die Rollen sind, scheinbar nicht richtig besetzt. Heute gilt es nicht mehr auszuwählen und gut auszuhandeln, sondern friss oder stirb. Es ist das Unterfangen auf diesem hart umkämpften Markt. Wie Herden werden Interessenten durch die Gemäuer gezogen, wenn überhaupt und mit viel Glück eine Einladung erfolgt. Ein Schreckensbild, das niemand sich wünscht, es aber der Alltag in den schönsten Städten ist.

Wirklich leidend sind die eigentlichen Bewohner in der Stadt, sie werden unaufhaltsam aus ihrer Heimat vertrieben und neue Paläste entstehen. Die Stadt verliert ihr Flair und Charm. Groteskerweise, wodurch sie in der ganzen Welt Ruhm erlangt haben, alles wird dadurch genommen. Die kleinen Läden, die Künstlergasse. Die unterschiedlichen Familien und Menschen, die es zuvor zu sehen gab. Alles weicht den neuen Glaspalästen in den alten Straßen. Den Residenzen der gut betuchten Gesellschaft, die es sich leisten kann, die Stadt nach eigenem Gusto hin zu besuchen, zu gastieren.

Doch leben die Städte dann nicht mehr, sie verliert ihren Reiz und die Individualität. Die nur so eine Stadt mit einem gemischten Volke geben kann, zum Erlebnis wird. Es ist erschreckend ,was so schleichend passiert, die Infiltrierung eines flächendeckenden Gebiets. Es ist traurig mit anzusehen, wie mehrere wunderschöne Städte ihre Gesichter verlieren. Und das für eine gläserne Maske, in der sich ein Loft an dem anderen reiht. Als Prunkaushang derer, die in Wahrheit unglücklich sind. Und krampfhaft, indem sie an Orte ziehen, um eben dieses Lachen, diesen Frohsinn zu ergattern, von denen die dort Leben.

Doch weit gefehlt, die Wahrheit trifft euch schneller als ihr denkt. Wenn es zu spät ist und erkennt, was eigentlich passiert, ist die ganze Zeit. Ihr die Seele einer Stadt nehmt und euch wundert, wenn sie nicht mehr das ist, als die, die ihr euch gewünscht habt. Ihr von einem Glaspalast zum anderen winken könnt und die Menschen auf der Straße nur noch erblickt. Die euch schon das ganze Leben begleiten und erkennt, wir leer ihr doch seit. Die Straßen vor euren Palästen und die krampfhafte Suche nach dem, was ihr nicht kaufen könnt und euch fehlt. Aber ich bin mir sicher, in der nächsten Stadt die ihr aufsucht, klappt euer Vorhaben bestimmt.

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Schnittblume

Die Blume bin ich selbst,
welk und fad ist mein Kleid,
ausgewaschen und bunt,
keine leuchtenden Farben mehr,
alles ist scheinbar verblüht.

Der Frühling drängt den Winter,
schubst ihn vom Thron herab,
doch war er in diesem Jahre,
aus einfachen Holz gemacht.

Doch was ist mit den Blumen,
sie stehen nicht mehr gerade,
hängen kraftlos an der Vase,
sterbend über den Seitenrand.

Ein langsames Schicksal,
das einen ereilt, in den Fängen
eines Adlers gleich, der sich aber
nur als linker Vogel entpuppt,
der mit allen Mitteln seinen
Vorteil gegenüber anderen
raubt.

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Schaumkrone unter Kastanien

Unter den Kastanienbäumen an einem leichten Schattenplatz, das Gedeck ist angerichtet, die köstliche Brotzeit liegt auf dem Tisch. Frisch die Radieschen, deren saftiges Rot ins Auge springt. Der geschnittene Radi und Schnittlauch griffbereit. Das Griebenschmalz mit Röstzwiebeln versetzt. Die Brezen frisch aus dem Ofenrohr, der Obazda in einer Schale aufgetischt. Die kühle Maß danebengestellt als trinkbares Gold, das im Sonnenlicht danebensteht. Es ist der traditionelle Brauch und ein Stück weit Kultur, die nicht nur genossen, sondern in vollen Zügen ausgelebt und zelebriert wird. Hin und wieder spielt die volkstümliche Musik und ist in Tracht gekleidet, die als Stimmungsmacher inmitten vom Biergarten steht.

Ein begehrter Ort von Jung und Alt, viele Geschichten gibt es darüber zu erzählen und zu sehen. Menschen, die herzlich miteinander den Frühling in sich aufnehmen. Mit anderen speisen und ein kühles Bier dazu trinken. Die Kinder, die auf den Spielplätzen spielen. Der Treffpunkt für alle Generationen über alle Länder hinweg. Verschiedene Sprachen und Kulturen, die aufeinandertreffen und gemeinsam vereint die Sonne genießen. Ein schöner Anblick, wenn man dabei bedenkt, wie harmonisch ein miteinander sein kann, wenn es keine Grenzen gibt.

So manch eine Liebe hat sich hier schon gefunden, oder ist noch wartend auf das richtige Gegenstück. Im herrlichen Sonnenschein und der schönen Aussicht. Die Menschen sind auch nicht mehr wie im Winter verhüllt, mit dicken Mänteln und Jacken. Es wird wieder Haut gezeigt und ein Lächeln aufgesetzt. Vom Anzugträger bis hin zur Tracht, alle Modestiele sind vertreten. Das Dirndl ist besonders gerne gesehen. So viele verschiedene Persönlichkeiten auf einem Platz verteilt. Das tiefsinnige Gespräch bis zum romantischen Augenblick, die Seele baumeln lassen oder doch nur zum Frohlocken hier.

Die Schaumkrone unter Kastanien hat schon so vieles erlebt, könnte Geschichten erzählen, für die kein einziges Leben reicht. Jedoch das wahre Leben schreibt. Diese Art der Kultur zu erleben, zu genießen und die Köstlichkeiten zu sich zu nehmen. Sich an einen Tisch zu setzen, Menschen kennenzulernen, sich auszutauschen und voneinander lernen. Das nette Gespräch an einem Frühlingstag, die Geschäftsidee, die geboren wird oder einfach nur etwas plaudern an so einem schönen Tag. Ich kann es euch nur empfehlen, die Erinnerung, gilt es fortan, zu schaffen. Die Erinnerung bleibt ein Leben lang und dient an schlechteren Tagen, wie schön das Leben sein kann.

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Tigerauge

Die Streifen im Fell gezeichnet am ganzen Körper entlang, getarnt in der Umgebung, alles um dich herum vereint sich in deinem Gewand. Schwer zu erblicken, wenn du dich versteckst, dich vorbereitest für die Jagt. Ein Schleichen, ein Streichen durch die hohen Gräser. Immer wieder ein geschärfter Blick auf die Opfergaben, die du als solche siehst. Die Schritte im Gras sind gebückt, der Kopf ist dabei geneigt. Alle Sinne sind auf die Jagd konzentriert, alles wird intensiv wahrgenommen, was um dich herum passiert.

Noch stehen sie ruhig an ihren Futterplätzen, laben sich an den Wassertümpeln. Keiner der Tiere hat den Jäger in den Gräsern bemerkt. Der scharfe Blick, der seine Opfer beinahe durchbohrt. Die Angst jedoch ist gewiss, im Hinterkopf bleibt der Gedanke bei jedem dieser Tiere manifestiert. Dass aus dem Nichts die Gefahr auf sie springt, das große Ungetüm hinterherrennt und zu jagen beginnt. Ein Lauf, der als Einsatz das Weiterleben trägt, es geht um alles in diesem Moment. Doch jetzt wird die Sonne genossen, die letzten frischen Gräser verspeist, die lauernde Gefahr beinahe vergessen.

Doch das Tigerauge ist nicht zum Ruhen da, der Blick schweift über die kranken und schwachen, deren letztes Stündlein schlagen soll. Was nur ist die einfachste Beute auf diesem Opfertablett. Es ist gedeckt, das auserwählte Opfer im Blick. Die Umgebung wird noch einmal erblickt, das Opfer fokussiert. Der Schleichgang setzt sich fort, in die Richtung, das als Mittagstisch begehrt. Das Tigerauge visiert, jetzt ist kein Entkommen mehr.

Ein Sprung aus dem Nichts, der Körper richtet sich stark und schnell aus den vielen Gräsern. Die Pranken groß und schnell in Richtung des Opfers, die Krallen ausgefahren, alles geht blitzschnell. Doch wird bei der Jagd auch nichts geschenkt, das Opfer erschrickt in diesem Moment und reagiert blitzschnell, der Todeslauf beginnt. Ein Hin und Her, ein Auf und Ab. Nichts bleibt unversucht dem Schicksal zu entkommen. Der Tiger im Nacken weicht keinen Meter von dannen, bei jedem Schritt das Opfer im Visier.

Das Opfer, das schon etwas angeschlagen war und schwach. Findet keinen Ausweg mehr aus dieser Lage, die Kräfte lassen nach, das Rennen ums Leben macht keinen Sinn mehr. Der Tiger gibt nicht auf und schlägt, da er nah genug am Opfer ist, seine Pranke in den Leib, das Opfer fällt. Die trockene Erde wirbelt auf und das Opfer fällt, das Davonrennen hat ein Ende. Mit letzter Kraft wird versucht, sich von den Pranken zu lösen, doch sind sie zu tief im Leibe verankert und tief im Fleische begraben. Es ist zu spät.