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Ort der Begierde

Die Nacht liegt noch verteilt in der Stadt, lichtet sich langsam, es bedarf noch etwas Zeit. Die ersten Jäger sind schon wach, bereit, auf der Suche nach dem begehrten Schatz. Fehlend in der eigenen Sammlung, leerer Platz, wenn der Blick des Jägers in seinen Trophäenschrank wandert. Die Jagd für manch einen beginnt, es gilt, sehr früh aufzustehen. Die interessantesten Sammlerstücke sind schnell weg, vergriffen, in einer anderen Sammlung versteckt. So schnell wird wohl das fehlende Stück nicht mehr von einem selbst erblickt.

Der Schlenderer dreht sich im Bette noch einmal um, zu früh für ihn, auf die Jagd zu gehen. Dennoch wird es auch bei ihm nicht allzu spät, sonst macht es keinen Sinn. Nicht konkret auf der Suche nach etwas Bestimmten. Vielmehr ist es der Reiz, das Unbekannte in ihm drinnen, das es an diesem Ort zu begehren gilt. Reize werden an diesen Orten geboren, Verführungen geschaffen. Viele Geschichten aus verschiedenen Leben dazu erzählt. Der Ort der Begierde für jedermann. Auch vieles, das bereits als vergessen galt, erhellt erneut im neuen Rampenlicht. Strahlt im vollen Glanze, auf der Suche nach einer neuen Verbundenheit, liegend, stehend oder doch emotional fesselnd.

Besitztümer angepriesen wie auf einem Tablett, wartend auf den bevorstehenden Wechsel, das das neue Leben bestimmen wird. Es ist teilweise wie in einem Film, dessen Ende unbekannt, spontan die Rollen eingenommen werden, die Szene beginnt. Das Licht ist an, der Ton läuft, es ist soweit. Das erste Feilschen am Ort der Begierde beginnt. Faszinierend mit anzusehen, real vor Ort. Nichts ist geschnitten, alles ist echt. Alle Gesten und das Blitzen der Augen, das Knistern am Ort.

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Zügellos

Die Augen sind geschlossen, befinde mich liegend, bequem und weich. Völlig entspannt könnte man auch sagen, der Kopf ist hellwach, die Gedanken sind frei. Lass die Zügel los, kein Gespann hält mehr meine Gefühle fest. Wie wilde Pferde springen sie wild umher, strotzen vor Kraft, posieren wie in einem Akt, kämpfen um die alleinige Vorherrschaft. Es ist wundervoll anzusehen, wie viel doch in einem selbst steckt, wenn man zügellos mit ansieht, wie frei doch alles ist. Ohne feste Richtung und Bindung. Ein Manifest, in dem so vieles entsteht und passiert.

Die Gedanken, die sich treffen, gegeneinander messen, sich vereinen miteinander spielen. Alles vermischt sich in ein gesamtes Konstrukt, deren Gebilde niemand zuvor gesehen hat. Gar war es nicht abzusehen, in welche Richtung es geht. Alles wirkt im ersten Moment total durcheinander und durchgedreht. Umso länger man hinsieht, desto klarer wird der Blick. Auf das Wesentliche, den Fokus, das Detail, aus dem der Rohstoff besteht, der uns glücklich stimmt, die Zukunft in sich trägt.

Manchmal muss man eben die Augen schließen, um klarer zu sehen. Den emotionalen Blick zu öffnen, der keiner Augen bedarf. Blind vor Liebe zu sein, eine neue Bedeutung in sich trägt, wenn man versteht, dass nichts, was wir mit den Augen sehen, keine Bedeutung hat. Nicht den klaren Blick innehält, den es nur unser Herz vermag zu sehen. Schöner Moment, in dem wir fühlen, was wir sehen, tiefe Bilder, die sich in unserem Inneren prägen, wie zügellos und schön.

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Rituale

Der Morgen beginnt, die Blicke wandern noch halb offen durch das Zimmer, die ersten Gedanken sammeln sich und die Ambitionen der ersten Bewegungen gehen vonstatten. Die Gedanken eilen durch den Kopf. Was muss ich machen, was muss ich besorgen, was ist alles von Nöten, damit der Tag nach meinem Gusto schön beginnt. Verschlafen noch etwas unkoordiniert, wandern die ersten Schritte in Richtung Bohnenveredler. Das Wasser dazu befüllt, den Knopf gedrückt und ein herrlicher Duft steigt durch den Raum, gemahlener Kaffee. Ein morgendlicher Traum.

Ein erstes Grinsen ist aus dem Gesicht zu entziehen, den warmen Kaffee in der Hand, mit weiteren Schritten auf den Balkon. Der erste Schluck in uns hinab läuft, von innen ein Wohlbehagen in uns löst. Der Blick wandert erneut, doch diesmal in die Stadt, in die Nachbarschaft, ist alles noch so, als erwartet, nichts Neues zu sehen. Alles geht seinen gewohnten Trott. Der Kaffee schmeckt, die Bohnen sind vorzüglich, das Leben in uns erwacht.

Mit verstrubelten Haaren geht es in das geflieste Bad, schwarzer Schiefer unterliegt unserem Gewicht. Es ist die Zeit für etwas Hygiene, das Nass, das uns pflegt. Der Körper ist belebt, durch die Wassermassen, die uns am ganzen Körper trafen. Die Energie steigt in alle Glieder. Belebt durch unsere Rituale, die wir tagtäglich erleben.

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Wir sind schön

Das Sonnenlicht scheint mit seiner vollen Intensität auf die Haut und wärmt durch hohe Grade unsere Haut, verbrennt die äußeren Schichten, wir werden braun. Ist es ein Merkmal, das wir als schön in der Öffentlichkeit tragen. Helle Haut gilt als krank und wird in der europäischen Gesellschaft als nicht attraktiv angesehen. Doch nicht überall auf dieser Welt ist das Schönheitsideal mit gleicher Priorität, wie in unseren eigenen Gefilden ausgeprägt. Es gibt Länder, in der helle Haut als Schönheit getragen wird, keine Stelle am Körper soll das Sonnenlicht
sehen, alles ist geschützt.

Wo hingegen hier im Lande die Bräune als gesund, Wohlstand und Zufriedenheit angesehen wird. Nichts bleibt unversucht, diesem Ideal auf allen Wegen zu folgen. Ist das alles, was im Leben zählt, hinter dem wir gieren auf dem, was uns vorgegeben wird, als schön anzusehen. Welch Hohn uns durch die Werbung und Medien suggeriert wird, wir sind schön. Wenn wir dem einen oder anderen Trend folgen, genau so auszusehen, wie es vorgelebt wird. Verrückte Welt, in der die verbrannte Haut als schön anzusehen ist.

Es gibt so viele Ideale, verteilt auf diesen Planeten. Als Außenstehender es nicht immer einfach sein wird, diese zu verstehen, und selbst tragen wir nach außen hin. Unser eigenes Ideal, denn wir sind schön anzusehen. Die Individualität steht oft nicht im Reinen mit der Zeit. Zu viel zu sehen und begehren wir, die vorgelebten Ideale, und das über eine lange Zeit. Die Menschen, die wirklich leben, ihren eigenen Stil verfolgen, egal welche Farbe die Haut hat, farbenfroh im Leben stehen. Wir sind alle schön, im Auge des Betrachters, für den dieses Ideal alles ist, was für ihn die Schönheit ausmacht.

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Töne

Töne, die es binnen weniger Minuten schaffen, uns aus der Reserve zu locken. Hingabe und Demut zu fordern. Ihren uneingeschränkten Tribut zu zollen, sie die Schlüssel tragen, in ihrem Notendickicht. Der Notenwald, der uns leben lässt, dennoch verlaufen wir uns kaum, emotionale Wegweiser richten uns den lichten Weg. Wir gleiten dahin, lassen uns fallen. Den Klangintervallen auf eine besondere Reise hin. Schwebend gleiten wir auf und ab, mal mit Schwung, mal mit einer Pause bedacht. Ein Zucken durchfliegt einzelne Glieder. Bewegen sich fast von allein.

Jeder Atemzug wird intensiver, der Körper ist in Wallung gebracht. Fantasien kreisen um uns umher, sind selbst ein Illusionist, ein Peter Pan der Moderne. Der sich hingebungsvoll seinen Träumen widmet, mit ihnen lebt. Die Realität für einen Moment verbiegt. Frohsinn beflügelt unser Gemüt, so greifbar nahe wie die Trauer, wenn uns die Töne berühren. Welche Stimmung in uns herrscht, entscheidet das Gewicht in dem Moment, als wir es auf die Waage legend die Freiheit geschenkt. Jede Richtung ein wichtiges Element in uns trägt.

Durch Melodien erfahren wir uns selbst, spüren die zu tiefst verborgene Regionen, die sonst nur verstimmt in uns sind. Zu viel um uns herum, als das sie auf der Bühne stehen, im Rampenlicht, für jeden zu sehen. Wie schön doch Melodien sind, die gemeinsam erlebt, viel Erinnerung in sich tragend, immer wieder ein Erlebnis in die Gegenwart setzt. Eine kurze Zeitreise, die in uns schwebt, für einen kleinen Moment wieder an unserem Ort. Das Ereignis, der Moment, der in uns tief getragen, wieder zum Vorschein kommt.

Am meisten bewegt und fasziniert mich dabei, dass in jeder noch so versteckten Region auf dieser Welt Melodien ihren Anklang finden, sich vereinen. Die Menschen begleiten, Geschichten erzählen und vieles bewegen. Keine Klänge gehen dabei verloren, werden gesungen, getanzt und in die Welt getragen. Und jeden Tag werden neue geboren.