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Traumwelten

Es ist schwarz und dunkel in der Stadt, die Lichter sind gedimmt. Nebel zieht durch die Straßen und Gassen, nur noch wenige Menschen sind vereinzelt zu sehen. Die Nacht bricht herein, die Federn im Bettgemach ziehen magisch an. Es gab viel zu tun, jetzt verlangt unser Körper den Tribut für den bewegten Tag. Wünscht sich die Ruhe, die Glieder werden schwach und legen sich in das Bequeme nieder. Die letzten Gedanken kreisen um den Tag, immer wieder Bilder, die durch unseren Verstand huschen. Emotionen, die noch einmal in einem Kurzdurchlauf Revue passieren.

Das Gemüt fährt herunter, die Eindrücke gehen mit zur Ruh. Das einsame Licht im Zimmer wird gelöscht, die Bettdecke bis zum Kinn gezogen. Noch einmal eingedreht, dass sich unser Wohlbehagen über den ganzen Leib hinweg erstreckt. Ein Seufzer und ein letzter tiefer Atemzug, der Puls neigt sich, der Atem wird entspannter, das Herz schlägt rhythmisch und leise im Hintergrund. Der Weg in eine andere Welt ist vorbereitet. Die Augenlieder werden immer schwerer und die Entspannung nimmt ihren Siegeszug ein.

Losgelöst und frei wird der physische Körper gedanklich abgelegt, andere Hirnzentren angeregt. Als wenn man bereit dazu ist, weitere Türen zu öffnen, die scheinbar tagsüber nur selten belegt und hinein in ein weiteres Ich begleiten. So oft werden die Räume von neuen gestaltet, dennoch wirkt erneut alles so vertraut. Alles hat eine innige Verbindung mit uns selbst. Als wäre man bereits da, obwohl es den Eindruck hinterlässt, als wäre man das erste Mal da.

Nichts bleibt gleicht und doch spielt scheinbar alles eine wichtige Rolle. Würde es uns sonst begegnen oder verstehen wir es in diesem Moment einfach noch nicht. Was werden wir begegnen, die Ängste und Wünsche, die in uns wohnen. Sehnsüchte, die im Verborgenen leben, oder doch nur eine gedankliche Welt, der man keine Bedeutung schenken darf. Alles ist nur inszeniert von uns selbst. Das Unterbewusstsein hat hier ganz klar das Sagen, aber stimmt das auch in unserer Traumwelt, in der wir eigentlich der Herr sind?

Diese Entscheidung steht noch aus, jetzt wird geträumt, was das Zeug hält. Gefühlt, entdeckt und geflogen. Gesehen, geliebt und schöne Orte gesehen. Mit einer Fülle von tragreichen Emotionen die Traumwelt bereist. Im Gepäck nur das gedankliche Gepäck und der Sicherheit, dass man wieder geweckt, der Realität ins Auge blickt, was für eine Nacht. Doch möchte man keine Träume missen, ein Privileg, das es gilt, zu schützen und zu erleben. Etwas Besonderes eben, das uns viele Nächte begleitet. Die Fähigkeiten in uns weiter zu prägen, die in uns leben, um sie auszuleben.

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Stil behalten

Die Verlockung ist groß, den Zahlen, Daten und Fakten an Gewicht zu schenken. Ist alles nur noch darauf abgestimmt, dem Konsum zu entsprechen, die eigene Kunst dabei zu verlieren, nur um sich anzupassen. Wie schön doch die Freiheit ist, darauf nicht angewiesen zu sein. Der Intention nachzugehen, völlig unabhängig, wie sich die Publizität auch entwickeln mag. Es geht um das Werk, das nicht für jeden verständlich ist. Keine leichte Kost, die es zu verspeisen gilt.

Ein Gericht, das dann serviert wird, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Häppchenweise versteht sich von selbst. Ein leibliches Gericht mit vielen Geschmäckern, eine Gaumenfreude, die bis in die entlegensten Erinnerungen dringt. Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt dafür, vielmehr den Moment, den man miterlebt oder auch nachgelesen wird. Die Emotionen in Worte verpackt, ein Jungenstreich, der jetzt erst beginnt. Über einen längeren Zeitraum hinweg die Intellektuellen in einen Teich der Verwirrungen steckt.

Nicht der Koi Karpfen ist das Leben im Teich, sondern der Sauerstoff darin, der im Verborgenen liegt, ist das, was das Leben am Leben hält. Die Luft, die uns umgibt, der Nährstoff, den wir Zug für Zug in uns saugen, tief in unsere Lungen hinein. Schön, wenn dabei wertvolles Leben entsteht, auch in dunklen Zeiten schimmert. Freude verbreitet und in alle Richtungen funkelt. Der Beginn einer lebendigen Begegnung, die unsere Gedanken um uns herum und mit Blick auf den Koi zu kreisen beginnt.

Den Stil zu behalten, die eigene Identität, das Leben in den Händen zu halten. Andere mit Worten zu umgarnen, situationsbedingt viele Momente auszugraben. Die Worte frei im weiten Netz verteilt, gelesen, verstanden, mit anderen geteilt. Zu Tränen gerührt oder nicht verstanden, die Gefühle berührt oder vorbeigezogen, nicht berührt. Alles ist möglich, alles ist gewollt. Jedoch, wenn diese Worte, die die Welt bereisen, nur einen Einzigen berühren, dann ist das Ziel erreicht.

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Stimmen der Sinne

Das gedankliche Feigenblatt die Scham bedeckt, halb nackt fühlt es sich an, im Raum zu stehen. Nichts mehr, das uns hüllt, frei im Raum. Keiner, der uns sieht, außer man selbst. Die Gefühle dabei entscheidet sind, in welche Richtung es geht. Finden wir den Augenblick schön, lieben wir uns selbst, sind wir zufrieden mit dem, was wir sehen. Sich selbst zu erblicken, Freuden und Gefühle durcheinander spielen, gezeichnet und geprägt, das Leben, das man lebt, sich an einen zeichnet, doch sind wir das Selbst.

Jede Narbe und jeder Fleck, hinter dem eine persönliche Geschichte steckt. Ist unsere Individualität, ein Prüfstand, den nur wir selbst in Wahrheit getränkt zu erklären wissen. Ein selbst gerichtetes Gericht, das keiner Jury bedarf. Welchen Standpunkt wir in diesem Augenblick vertreten, liegt an uns selbst. Sind wir persönlich genug, uns dafür zu lieben, oder ist es im Auge des Betrachters nicht perfekt. Sind wir nur ansehnlich schön, wenn wir die Augen schließen, oder steckt die wahre Schönheit an uns, wenn wir uns selbst ertasten, selbst berühren.

Beginne dich zu lieben und deine eigene Schönheit wird sich zeigen, du bist schön, wie du bist. Auch für dich im Leben jemand umherwandelt, der dich begehrt und liebt, wie du bist. Das Schönheitsideal, dem du entsprichst, solange du dir selbst treu ergeben bist und nicht in kommerziellen Hüllen durch die Welt herumläufst. Du hast es dir verdient, individuell und echt zu sein. Mit all deinen Macken und besonderen Facetten, die schlechteren als auch die netten.

Die Fehler und Ungereimtheiten, die Worte, mit denen du es schaffst, andere zu berühren. Die Stärke, die du gibst, wenn sich jemand fallen lässt. Die Wärme, die man verspürt, wenn sich in deiner Nähe geborgen fühlt. Das Lachen, das für die Ewigkeit als Gesang in deiner Erinnerung liegt. Die Momente im Leben, die nicht käuflich sind. Man kann sie nur erleben wie dich, selbst wenn man dich persönlich entdeckt. Falsche Scham und lass es weg, das Feigenblatt, das dich bedeckt.

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Die Klinge ist gewetzt

Die Klinge kommt gerade aus der Glut, sie ist noch heiß und rot. Das Tauchbad kühlt sie ab, nimmt ihr das äußerliche Feuer. Nur ein Zischen ist zu hören. Das Öl rinnt an der Klinge herab bis zur Hand, in der sie gehalten wird. Die letzten Funken fliegen hilflos umher, fliegen ihre letzte Bahn, bis auch sie auf die Erde fallen und als Staub zerfallen. Die Klinge wird erneut gezückt, in die heiße Glut gelegt, der Blasebalg bewegt, das Feuer wieder angefacht. Die Flammen schlagen wild umher, peitschen das Metall, greifen es überall. Ein wildes Schauspiel ist zu sehen, neue Funken sprühen, als gäbe es den morgigen Tag nicht mehr zu sehen.

Die Schneide ist feuerrot und schreit nach dem Verlangen, aus den Flammen befreit zu werden. Ihrer Vollendung entgegenzuschreiten, nicht weiter in der Glut zu sein. Aus dem Feuer gezogen und auf den Amboss gelegt. Den Hammer geschwungen und die Schneide mit kräftigen Schlägen auf die Glut in die gewünschte Richtung bewegt. Pfeilgerade bis hin zur Spitze, eine lange Gerade und der Senke zur Schneide hin, ein schönes Stück, das erneut ein Ölbad nimmt. Tief eingetaucht kommt das Metall langsam zu Ruhe, die Glut erlischt und die Hitze entweicht langsam aus dem Herzen des Schmiedestücks.

Die Tortur der Feuerstelle ist geschafft, die Klinge ist in Form gebracht, elastisch und hart. Bereit dafür, im Glanze gezeigt zu werden. Sich von den Schmiederesten zu befreien und in einem neuen Gewand zu erscheinen. Das Schleifrad wird in Gang gebracht, die Klinge bekommt das zu spüren. Es löst sich das dunkle Matt, es erscheint das funkelnde Metall, das im Feuer geboren. Die Seele, die tief verborgen in der Klinge liegt, bleibt verborgen. Geschönt nach außen, wunderschön anzusehen, ist es jedoch erst das halbe Kleid.

Das Messer ist gewetzt, die Klinge scharf und rein. Jetzt folgt die Vollendung an dem metallenen Kleid. Die Verzierungen werden hineingeschlagen, die Muster gefeilt. Den Namen vergeben, eingraviert, damit jeder weiß, aus welcher Meisterhand diese Klinge stammt. Mit Nelkenöl eingerieben und auf Hochglanz poliert. Die lange Geburt ist vollbracht. Die Klinge erstrahlt mit Stolz und voller Pracht, bis der richtige Träger gefunden ist. Der sie verdient und mit Ruhm und Ehre sein Leben lang tragen wird.

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Marshmallow

Knuffig weich an die Enden gesteckt, in Pastellfarben wild und frech lockst du die Scharen um dich herum. Verleitest zur zuckersüßen Sünde. Es gibt dich in jeder erdenklichen Form, schmeckst Jung und Alt, fast jeder kennt dich, weiß ein Rezept. Wirst gedrückt, geschmückt, verziert und in vielen Arten und Formen verzehrt. Als geschmacklicher Genuss zergehst du in der Gaumenregion, trägst viele Erinnerung mit dir, bist gerne auf Partys gesehen. Manchmal auch an einem Feuer oder zu Silvester zu sehen.

Aber gesteckt an einem Baum siehst du dennoch aus, wie ein Kunstgebilde aus dem Schlaraffenland entführt. So knuffig und fein, verlockend schön. Mit den Fingern gepickt, mit Daumen und Zeigefinger leicht gedrückt und zum Mund geführt. Deine Aufgabe beginnt, die Sinne zu betören, dich geschmacklich zu entfalten. Den Genießer in diesem Moment zu fangen, einen Schaumkuss zu unterbreiten, dem er völlig erlegen ist.

Zuckersüß und klebrig auf der Zunge in der ganzen Mundregion verteilt, vom Baum gepflückt, der kein Wasser zum Überleben bedarf. Ein seltenes Gebilde, das man vergeblich in der Natur sucht. Auch kein Gärtner war hier am Werk, viel mehr ein Zuckerbäcker, der anderen eine Freude machen will. Auf eine süße Art und Weise verführt. Ein Lächeln in die Gesichter zaubert für diesen Gaumenschmaus. Im wahrsten Sinne des Wortes eine haftende Erfahrung, die in der Erinnerung bleibt.

Doch auch gerillt am Lagerfeuer als Tradition und leichten Gitarrenklang. Hast du schon viele Lieder gehört, Geschichten erzählt bekommen. Die ganze Welt hast du bereits besucht und bist in vielen Mündern spurlos verschwunden. Als Liebesspiel verwendet, um deinen Gegenüber zu liebkosen. Vielseitig ist dein Dasein begründet. Oft ist ein Lachen oder Liebe mit im Spiel bis zu dem Zeitpunkt, an dem du im Rachen deiner Begehrenden verschwindest.